Weichtier des Jahres

Die Jahresaktion „Weichtier des Jahres“ Seit 2003 wurde jährlich ein „Weichtier des Jahres“ gewählt. Der Titel wird von einem Kuratorium vergeben, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Öffentlichkeit über ausgewählte Arten zu informieren und auf diesem Wege molluskenkundliche Themen und Naturschutzprobleme bekannt zu machen. Das „Weichtier des Jahres“ soll dazu einladen, auch die anderen Weichtiere in unserer Umgebung wahrzunehmen und sich ihrer vielfältigen und oft unverzichtbaren Funktionen in unserer Umwelt bewusst zu werden.

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Kontaktadresse:
Deutsche Malakozoologische Gesellschaft (DMG)
c/o Dr. V. Wiese, Haus der Natur – Cismar
Bäderstraße 26
23743 Cismar
Tel. & Fax 04366-1288
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Knoblauch-Glanzschnecke

Oxychilus alliarius (Miller 1822)

Die Knoblauch-Glanzschnecke wurde als Weichtier des Jahres gewählt, weil man an ihrem Beispiel gleich mehrere Besonderheiten von Weichtieren in unserer Umwelt erkennen kann. Eine Eigenschaft ist besonders auffällig und kurios: Die Knoblauch-Glanzschnecke ist eine der wenigen Schnecken, die man schon auf größere Entfernung riechen kann, denn die Tiere verströmen bei Berührung einen kräftigen Knoblauch-Geruch. Sie sind meist Waldbewohner und leben in der Bodenstreu. In Gegenden, in denen keine wild wachsenden Lauch-Arten in den Wäldern vorkommen, kann man sogar das Falllaub am Boden bewegen und dann am Lauch- Geruch die Anwesenheit von Knoblauch-Glanzschnecken erkennen.

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Europäische Auster

Ostrea edulis Linnaeus 1758

Die Auster wurde als Weichtier des Jahres gewählt, weil ihre Bestände durch Einwirkungen des Menschen gefährdet sind, sie als Delikatesse bekannt ist und verwandte Arten aufgrund vielfältiger Verschleppungen und Freisetzungen sehr bedeutsam für die Meereslebensräume sind. Austernschalen können immer noch in großer Anzahl an den Stränden der Nordsee gefunden werden. Allerdings handelt es sich bei den Funden um Exemplare, die mindestens seit Jahrzehnten, teilweise seit Jahrtausenden, tot sind. Die Europäische Auster war in der deutschen Nordsee seit ungefähr 1930 ausgestorben. Seit 1992 gibt es wieder vereinzelte Lebendfunde, die vermutlich von Tieren aus französischen Zuchten abstammen.

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Schlanke Bernsteinschnecke

Oxyloma elegans (Risso 1826)

Fast alle Naturfreunde haben die Bernsteinschnecken der Familie Succineidae bereits in der Natur gesehen, einige Arten sind relativ groß und klettern an feuchten Standorten in der Vegetation. Der Name ist von der Färbung und Durchsichtigkeit ihres Gehäuses abgeleitet. Um auf mehrere Besonderheiten der Bernsteinschnecken und auf Forschungsbedarf auch an vergleichsweise auffälligen heimischen Tieren hinzuweisen, wurde die Schlanke Bernsteinschnecke zum Weichtier des Jahres 2012 gewählt.

Die Schlanke Bernsteinschnecke als PDF

Zierliche Tellerschnecke

Anisus vorticulus (Troschel 1834)

Seit 2004 gehört diese kleine und unauffällige Süßwasserschnecke zu den europaweit geschützten Arten. Im Rahmen der Erweiterung der EU wurde sie in die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgenommen. Weil sie daher intensiv erforscht und ihre Lebensräume europaweit geschützt werden müssen, die Art in der Öffentlichkeit aber weitgehend unbekannt ist, wurde sie als Weichtier des Jahres ausgewählt. Anisus vorticulus gehört zur Familie der Tellerschnecken (Planorbidae), von der in Deutschland aktuell 24 Arten vorkommen. Fünf dieser Arten gehören zur Gattung Anisus. Die seltene Zierliche Tellerschnecke ist dabei allerdings nur mit der häufigen und weit verbreiteten Scharfrandigen Tellerschnecke Anisus vortex zu verwechseln.

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Schließmundschnecke

Alinda biplicata (Montagu 1803)

Die turmförmigen Gehäuse der etwa 1-2 cm langen Schließmundschnecken der Familie Clausiliidae begegnen den meisten Naturfreunden regelmäßig. Mit ihrer langgestreckten Gehäuseform haben sich die Tiere daran angepasst, sich in engen Spalten verstecken zu können. Sie bewohnen zum Beispiel Felsen und alte Mauern, Bäume sowie Totholz in der Bodenstreu. Viele Arten klettern gerne. Die heimischen Arten leben häufiger an feuchteren Standorten, vor allem in Südeuropa gibt es zahlreiche Arten, die auch trockene Felsen besiedeln.

Die Schließmundschnecke als PDF

Husmanns Brunnenschnecke

Bythiospeum husmanni (C. Boettger 1963)

Mit der Wahl der nördlichsten Brunnenschnecke Deutschlands – Husmanns Brunnenschnecke aus dem flussbegleitenden Grundwasserstrom der Ruhr in Nordrhein-Westfalen – zum Weichtier des Jahres 2009 möchte das Kuratorium die neuesten Forschungsergebnisse zu dieser Art, aber auch den bestehenden Forschungsbedarf für die gesamte Gruppe, herausstellen. Mit dieser winzigen Schnecke soll stellvertretend auf die wenig bekannte Lebewelt des in seiner Ausdehnung riesigen – heute zunehmend bedrohten – unterirdischen Lebensraums im Grundwasser der Fluss-Schotter und des Karsts und dessen spektakuläre Erforschung aufmerksam gemacht werden. Heute weiß man beispielsweise, dass Bythiospeum husmanni nur in extrem sauberem und gleichmäßig kühlem Grundwasser überleben kann. Somit kann das Vorkommen der Art gewissermaßen als Indikator für die Unbedenklichkeit des Grundwassers zur Trinkwasserversorgung gewertet werden.

Die Brunnenschnecke als PDF

Mäuseöhrchen

Myosotella myosotis (Draparnaud 1801)

Als Weichtier des Jahres 2008 wurde eine Schnecke der küstennahen Salzwiesen ausgewählt, um auf diesen gefährdeten Lebensraum mit extremen Umweltbedingungen aufmerksam zu machen und die Besonderheiten der an ihn angepassten Weichtiere vorzustellen. Die Salzwiesen der deutschen Küsten sind ein weltweit einzigartiger Lebensraum, der nach Naturschutzgesetzen des Bundes und der Bundesländer, sowie nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union geschützt ist. Das Mäuseöhrchen ist in Deutschland auf diesen speziellen Lebensraum beschränkt.

Das Mäuseöhrchen als PDF